TRANS – Denken in Klängen


In den letzten Jahrzehnten hat sich eine Form der Forschung etabliert, deren zentrale Methode die künstlerische Praxis ist. Diese künstlerische Forschung eröffnet uns einen neuen Blick auf unsere Welt und ihre Phänomene. Durch ihren Fokus auf die Gestaltung ästhetischer Erfahrung erlaubt künstlerische Praxis Strukturen offen zu legen, deren man sich mit anderen Methoden nur schwer gewahr werden kann. Eine grundlegend kritische Position gegenüber künstlerischer Praxis und ihrer Kontexte ist dafür Voraussetzung. Spezifisch für künstlerische Forschung ist, dass die sinnliche Erfahrung ein primäres Mittel ist, aus dem Erkenntnis hervorgebracht und durch das diese auch mitgeteilt wird. Das Erleben der Kunst ist von zentraler Bedeutung für die Forschenden und deren Publikum, das so auch Teil des Forschungsprozesses werden kann. Mit “Trans” präsentieren wir Werke, die im Kontext künstlerischer Forschungsprojekte entstanden sind.

Die Kompositionen “Ohne Titel” von Kosmas Giannoutakis und Marko Cicilianis “Audiodromo” und “Atomic Etudes” sind im Rahmen des künstlerischen Forschungsprojekts GAPPP (FWF PEEK AR 364) entstanden. Anliegen des Projekts ist es, die ästhetische Wirkung von Spielelementen im Kontext audiovisueller Kompositionen zu erforschen. Von besonderem Interesse ist dabei die Rolle der Aufführenden, die durch eine spezifische von Medien und Spielelementen gestaltete Umgebung in ihren Handlungsräumen bestimmt werden. Es wird untersucht, wie sie die regelgeleiteten Kompositionen zum Entstehen bringen, es an ein Publikum vermitteln und inwiefern sich dabei ihre Rolle im Vergleich zu traditionellen Modellen von Interpreten und Akteuren unterscheidet.

Slices of Life (2015/16) ist ein Kunstwerk, das Barbara Lüneburg im Rahmen des künstlerischen Forschungsprojektes TransCoding | What if (FWF PEEK AR 259) unter Einbezug einer Online-Community kreiert. Das Thema ist "Identität" und die vielen Facetten, die Identität im Leben annehmen kann. Die Forschungsfrage war, ob Menschen über Social Media dazu angeregt werden können, zur Entstehung eines Multimediakunstwerkes aktiv beizutragen, und was das mit der Kunst, der Künstlerin und den Communitymitgliedern macht. Bild, Text und Sprachmaterial für die Show rührt zum großen Teil von der Beiträgen der Community von what-ifblog.net, die über Calls for Entry dazu animiert wurde, für sich selbst und für What if kreativ zu werden. So heteregon wie die Mitglieder aus 130 Ländern sind die "Slices of Life", die erzählt werden.

“Anemone Actiniaria” ist ein von Hanns Holger Rutz und David Pirrò gegründetes algorithmisches Improvisationsduo. Als künstlerisches Forschungsprojekt unterwirft es das scheinbar wohldefinierte Konzept des Algorithmus einer neuen Lesart und hinterfragt die Vorstellung menschlicher Befehlsgewalt und maschinellen Gehorsams. Wechselseitiges Beobachten und Überschreiben wird initiiert zwischen unseren Computersystemen, Wolkenpumpe und rattle, welche in Physikalischer Modellierung und in der Generierung parametrischer Modelle mit Hilfe von maschinellem Lernen verankert sind. Durch die Kopplung dieser zwei heterogenen Programme entsteht ein übergreifendes neues Verhalten, und die Grenzen zwischen den vormals getrennten Systemen beginnen zu verschwimmen.

Im Mai 2016 präsentierte “DA TA rush” im Angewandte Innovation Lab in Wien eine Iteration des künstlerischen Forschungsprozesses “Transpositions: Artistic Data Exploration” (FWF PEEK AR 257). “DA TA rush” ist eine kollektive künstlerische Arbeit von Gerhard Eckel, Michael Schwab, David Pirrò und Artemi-Maria Gioti, sowie ein öffentliches Labor und ein Symposium mit performativen Interventionen von Paulo de Assis, Lucia D’Errico und Neal White. Die als Research Event angekündigte Veranstaltung beschäftigte sich mit dem Konzept der Transposition als Operator künstlerischer Forschung. “DA TA rush Graz” ist eine Transposition zweier installativer Elemente aus der Wiener Veranstaltung, die zusammen mit dokumentarischem Videomaterial jener Situation präsentiert werden, für die sie ursprünglich geschaffen wurden.


Gerhard Eckel, Marko Ciciliani, Barbara Lüneburg, Hanns Holger Rutz, David Pirrò

 

Aufführende:
Ensemble This | Ensemble That (Basel):

Bastian Pfefferli, Victor Barceló, Miguel Angel García Martín – Schlagzeug


Anemone Actiniaria (Graz):

David Pirrò – Rattle
Hanns Holger Rutz – Wolkenpumpe

 

Barbara Lüneburg – Violine und Schlagzeug
Marko Ciciliani – Monome

Davide Gagliardi – Technik, Klangregie

 

Werke:

Barbara Lüneburg:

Ausschnitt aus Slices of Life für Violine, Soundtack und Video mit Text-, Sprach- und Bildbeiträgen der Community von TransCoding | What if (2015/16)

 

Anemone Actiniaria:

Improvisation für Rattle und Wolkenpumpe


Kosmas Giannoutakis:

Ohne Titel für Violine, Live-Elektronik und Live-Video (2016, UA)


Marko Ciciliani:
Audiodromo für vier SchlagzeugerInnen, Live-Elektronik und Live-Video (2016, ÖE)
Atomic Etudes für Monome und Live-Elektronik (2016, UA)

 

Gerhard Eckel, Artemi-Maria Gioti, David Pirrò, Michael Schwab:

DA TA rush Graz, Installationen

 

 

Samstag, 12. November 2016, 20.00 h, ImCubus
Mariahilferplatz 3 / I, 8020 Graz

 

Die Installationen sind noch bis 25. 11.2016 zu den Öffnungszeiten der Ausstellung SCHATTENGEIST zugänglich (Di. - Fr. 10-17 h)

 

Eintritt (Konzert): €  10.- / 5.-

 

http://what-ifblog.net
http://gappp.net
http://www.researchcatalogue.net/view/94538/94539

 

Galerie

 

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Programm
Prog_TRANS_2016_11_12.pdf
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