Quartetto Maurice: 4 + 1


Zu jenen traditionellen akustisch-instrumentalen Besetzungen, die sich auch im Zeitalter fortschreitender elektronischer und hybrider Klangerzeugung gleichbleibender Beliebtheit erfreuen, zählt zweifelsohne das Streichquartett. Wenn ökonomische Entwicklungen, Veränderungen in der Struktur der musikalischen Öffentlichkeit und andere Gewichtungen bei den politisch Verantwortlichen die Schrumpfungen in der Landschaft der großen Besetzungen, der Orchester insbesondere, nicht zu einem Ende kommen lassen und deren außermuseale Funktion grundsätzlich in Frage stellen – das Streichquartett bleibt davon weniger tangiert, diese Prognose sei gewagt. Gleichwohl drängt sich die Frage auf, was, abgesehen von der tradierten und Glorie verheißenden Aura der "Gattung für Kenner" (schon seit Haydns Zeiten) heute noch KomponistInnen dazu bewegt, sich mit der Klangwelt des Streichquartetts auseinanderzusetzen – nicht zuletzt darauf geben gewichtige Quartette, wie z.B. Xenakis' Tetras, eine wortlose und gleichwohl überzeugende Antwort – wohingegen die Fortsetzung der schwingenden Saite in der schwingenden Membran des Lautsprechers wiederum neue ästhetische Fragen aufwirft.

Daniel Mayer

 

Mit seinem Programm 4+1 ergänzt das bereits seit 2002 gemeinsam agierende (und dennoch jung besetzte) Maurice Streichquartett sein Instrumentarium um das der Elektronik. Ausgehend von Fausto Romitellis Natura morta con fiamme (der viel zu früh verstorbene Italiener vollendete das Werk 1991, als er nach Paris übersiedelte, um bei Hugues Dufour, Gérard Grisey und am IRCAM zu studieren) wird ein Bogen zu aktuellen Arbeiten von Komponisten gespannt, die gegenwärtig zu den spannendsten der jungen, obschon bereits etablierten Generation gehören. Wie Romitelli studierte auch Marco Momi am IRCAM (2007-2010), Simon Steen-Andersen wiederum arbeitet (sei es mit oder ohne Elektronik) gerne multimedial, ergänzt das klassische Instrumentarium mit Video, Performance und anderen außermusikalischen Mitteln, und Andrea Agostini wird an dem Abend höchstpersönlich auch für die Elektronik und Klangregie verantwortlich zeichnen. Und mit Iannis Xenakis Tetras steht auch ein legendäres Streichquartettwerk am Programm.

Ute Pinter

Veranstaltet von: open music

 

Quartetto Maurice:

Georgia Privitera – Violine
Laura Bertolino – Violine
Francesco Vernero – Viola
Aline Privitera – Violoncello
Andrea Agostini – Klangregie, Elektronik

Davide Gagliardi – Technik

 

Fausto Romitelli: Natura morta con fiamme für Streichquartett und Elektronik (1991)
Simon Steen-Andersen: Study for string instrument #2 (2009)
Iannis Xenakis: Tetras (1983)
Marco Momi: aus dem Streichquartett: Almost pure for E.P. (2011)
Andrea Agostini: Legno sabbia vetro cenere für Streichquartett und Elektronik (2010)

 

Dienstag, 18. Oktober 2016, 20 Uhr
Kulturzentrum bei den Minoriten, ImCubus
Mariahilferplatz 3 / I, 8020 Graz

 

Eintritt: €  15.- / 10.- (ermäßigt) / 5.- (für MusikstudentInnen mit Ausweis an der Abendkassa)