Landscapes in Green and White


Die Postmoderne, nicht als stilistisches Gebot, sondern als kulturelle bzw. mediale Voraussetzung heutiger Kunst verstanden, kann nicht einfach als modisches Schlagwort weggewischt werden, zu vielfältig und evident sind die Phänomene, in denen der Begriff trifft. Auch Neue Musik für historische Instrumente – und damit sei ein Hinweis auf das bereits seit langem geplante und nun am 15. November im großen Minoritensaal stattfindende Hammerklavierkonzert mit Katharina Olivia Brand und neuen Werken von Bernd Asmus, Florian Geßler, Peter Lackner, Bernhard Lang und Markus Roth erlaubt – spielt mit der kulturellen Transformation in ähnlicher Weise wie es Neue Musik für Volksmusikinstrumente tut. In diesem Zusammenhang führt das von Dana Cristina Probst entwickelte Projekt Landscapes in Green and White die beteiligten MusikerInnen zu einer Konzertreise durch Österreich und Finnland. Wir freuen uns, dass es im Kulturzentrum nun einen besonderen thematischen Schwerpunkt zum Thema geben wird: "Improvisation im interkulturellen Vergleich" ist der Titel des einleitenden Vortrags von Prof. Gerd Grupe (Institut für Ethnomusikologie, KUG), dem eine Demonstration der verschiedenen Volksmusikinstrumente durch die MusikerInnen folgt. Das Konzert enthält einen längeren Teil mit Improvisationen und bezieht in dieser sowie in mehreren komponierten Stücken Elektronik mit ein.

Daniel Mayer

 

Anhand neuester Werke und am Beispiel traditioneller Instrumente aus Österreich, China und Finnland greift das Projekt in doppelter Hinsicht ein sehr aktuelles Thema auf. Da ist zum einen die Ebene des interkulturellen Dialogs, der zwischen den traditionellen Kulturen entsteht – hier durch die unterschiedlichen Volksmusikinstrumente und deren Ästhetik, Musik und Spielweise vertreten –, und zum anderen die Ebene der „inneren Transkulturalität der Individuen“ (nach Wolfgang Welsch), in diesem Fall der inneren Transkulturalität der MusikerInnen und der KomponistInnen, die sich aktiv am Projekt beteiligen und die von vornherein so viele unterschiedliche kulturelle Einflüsse zu ihrer eigenen Identität verbinden.
Wenn man der Theorie von Wolfgang Welsch treu bleibt, sollte man diese zwei Begriffe – Interkulturalität und Transkulturalität – die von zwei unterschiedlichen Prämissen ausgehen, nicht vermischen. Ist man aber nicht immer wieder dazu geneigt, Ebenen zu vertauschen? Springt man nicht immer wieder von einer Kulturvorstellung zur anderen? Redet man nicht einmal von einer homogenen, nach außen klar abgegrenzten Kultur – z.B.: „österreichische“ oder „finnische“ Instrumente – und einmal, im Gegenteil, von Verflechtung, Vernetzung, Hybridität? Schwingt man nicht dauernd zwischen regionaler, nationaler Identität und Offenheit für anderes? All diesen Fragen und dem fein oszillierenden inneren „Spiel“ soll unser Projekt näher auf den Grund gehen. Die MusikerInnen, die KomponistInnen und das Publikum sind dazu eingeladen, durch die Auseinandersetzung mit den klanglichen und ästhetischen Aspekten verschiedener, doch ähnlicher Instrumente und musikalischer Traditionen einem flexibleren Verständnis eigener Kultur näher zu kommen.
Landscapes in Green and White – angesichts der Tatsache, dass die zwei Länder, in denen das Projekt gastiert, ein respektvolles und bewusstes Umgehen mit der Natur verbindet, geht unser Motto von den Nationalblumen Österreichs und Finnlands aus: Edelweiß und Kielo (Lily-of-the-Valley), beide weiße Blumen, zugleich fragil und robust. Das Edelweiß ist zum Beispiel nicht nur "österreichisch", wie man zu glauben neigt. Er stammt aus dem weit entfernten Steppengebiet Asiens und findet sich auch in diesen Kulturen seit Jahrhunderten als Symbol für ein langes Leben. 

Dana Cristina Probst

 

Eija Kankaanranta – Kantele
Martin Mallaun – Zither
Mikko Raasakka – Liru
Ming Wang – Guzheng
Karlheinz Essl – Elektronik
Davide Gagliardi – Technik

 

Dana Cristina Probst, (Verein Subito – Konzertreihe) – Konzept, Organisation

 

Karlheinz Essl (1960): river_run für Guzheng und Live-Elektronik (2016, UA)
Alex Freeman (1972): Slow all Clocks II für Liru, Kantele und Elektronik (2016, UA)
Elisabeth Harnik (1970): roaming für Zither und zwei Spieldosen (2016, UA)
Adina Dumitrescu (1964): Heureuse!
 für Liru, Zither, Kantele und Guzheng (2016, UA)
Maria Kallionpää (1981): Schatten II für Liru und Guzheng (2009)
Improvisation

 

Dienstag, 11. Oktober 2016
Kulturzentrum bei den Minoriten, ImCubus
Mariahilferplatz 3 / I, 8020 Graz

 

18.00 h: Vortrag: "Improvisation im interkulturellen Vergleich"

Prof. Gerd Grupe (Institut für Ethnomusikologie, KUG)

19.00 h: Workshop / Demonstration der Volksmusikinstrumente
20.00 h: Konzert


Vortrag u. Workshop: Eintritt frei
Konzert: €  15.- / 10.-

 

Galerie

 

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Programm
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