Das Kulturzentrum bei den Minoriten möchte mit dieser Schwerpunktsetzung innerhalb seiner Sparte Neue Musik verstärkt Konzerte veranstalten, die instrumentale und elektroakustische Klangerzeugung gegenüberstellen. Motivation dieser Ausrichtung ist die Beobachtung, dass – obwohl im Bereich der Neuen Musik in den letzten Jahrzehnten viele Formen der Einbeziehung elektroakustischer Klänge bzw. elektronischer Medien versucht wurden – im allgemeinen Musikbetrieb entgegengesetzte Entwicklungen platzgreifen. Vielleicht als Folge der gesellschaftlichen Tendenz der fortschreitenden Ausdifferenzierung und Spezialisierung, scheinen sich die Szenen der Neuen Musik und der elektroakustischen Musik bzw. Computermusik oft fremd gegenüberzustehen. Wenn man sich die diesbezüglich integralen Interessen der Nachkriegsavantgarde ins Bewusstsein ruft – Stockhausen, Nono, Boulez, Ligeti, Xenakis – so wird deutlich, dass der aktuelle technologische Status der Zeit einstmals mit Selbstverständlichkeit als Chance begriffen wurde. Diese Selbstverständlichkeit ist heute oft bei jungen MusikerInnen anzutreffen, die die avanciertesten Möglichkeiten neuer Technologien in ihrer eigenen musikalischen Praxis experimentell nutzen.

Im Fokus stehen daher Konzerte mit Ensembles und SolistInnen unter Einbeziehung von Elektronik, angestrebt wird auch die Förderung von Initiativen von MusikerInnen und Ensembles der jüngeren Generation, die neue Technologien als spezifisch musikalische Herausforderung verstehen, sowie die gemeinsame Präsentation von elektronischer und instrumentaler Praxis im Hinblick auf die gleichzeitige Ansprache oftmals getrennter Zuhörerschaften.

Daniel Mayer, 2015